Lang hat es bei Twitter gedauert, bis man sich eine neue Unternehmensstrategie zurechtgelegt hat. Nun geht es bei dem Kurz-Nachrichtendienst offenbar Schlag auf Schlag. Diesen Mittwoch will Twitter seinen neuen Fotodienst offiziell vorstellen. Er soll Twitpic und Yfrog Nutzer abjagen. Das berichtet TechCrunch.
Vergangene Woche hat sich Twitter den populären Zwitscher-Client Tweedeck für angeblich 40 Millionen Dollar einverleibt. Jetzt rückt das kalifornische Unternehmen den Photodiensten Yfrog und Twitpic zu Leibe. Das Ziel: Twitter will seine mehr als 200 Millionen Nutzer nicht weiter an Drittplattformen verlieren.
Denn jeder User, der über einen Dritt-Anbieter den Dienst nutzt, scheidet als potentieller Adressat künftiger Werbeformen aus. Ein eigener Photodienst soll dafür sorgen, dass die Nutzer auch mit ihren Schnappschüssen nicht mehr fremdgehen. Dass sich damit gutes Geld verdienen lässt, hat der Betreiber von Yfrog bewiesen: ImageShack verdient mit Werbebannern auf den Yfrog-Seiten Millionen. Das ist auch der Grund, weshalb der Dienst rund 10 Millionen Dollar Risikokapital erhalten hat, berichtet AllThingsD.
Dass dieser Schritt längst überfällig ist, darin sind sich alle einig. Nur so macht der Zukauf von Tweedeck und das Engagement mit eigenen Apps für Android und Apple iOs Sinn. Twitter ist mit einem Photodienst in der Lage, ein Rund-Um-Sorglos-Paket anzubieten. Auf dem Smart Phones gibt es die firmeneigene App Tweetie, für PC-Systeme (Mac/Windows) als elegante Client-Wunderwaffe ist nun Tweetdeck da. Fehlt nur noch eine Möglichkeit, mit ganz wenigen Klicks Bilder einzubinden…
Aus Sicht von Twitter ist ein Photodienst also nur konsequent. Vor allem lässt sich damit bewerkstelligen, was Twitter seit Monaten, im Grunde seit Jahren, vergeblich versucht: Harte Dollars zu verdienen. Genau dieses Konzept will offenbar der CEO von Twitter, Dick Costolo, auf der D9-Konferenz am Mittwoch vorstellen. Klassische Bannerwerbung soll dem Kurznachrichtendienst einen steten Strom von Werbeeinnahmen sichern.
Vor einem Jahr sah die Suche nach neuen Erlösquellen eher noch verzweifelt aus: Mit gesponserten Tweets wollte man Kasse machen. Unternehmen wie Starbucks sollte in die Timeline hinein, Werbebotschaften unterbringen dürfen. Dann stellte man fest, dass immer weniger Twitter-Nutzer die eigene Web-Plattform nutzten. Clients wie Tweetdeck und Hootsuite gewannen an Popularität. Also beschloss man eine Modernisierung seines Web Frontends. Schließlich der Zukauf von Tweetdeck.
Twitter war in den vergangenen Monaten weniger durch neue Modelle, wie es sein Angebot monetarisieren könnte, aufgefallen. Vielmehr fuhr das in San Francisco beheimatete Unternehmen mit seinen mittlerweile 500 Mitarbeitern durch firmeninterne Streits der Gründer eher einen strategischen Schlingerkurs. Eine stringente Unternehmensstrategie sieht anders aus. Das scheint sich Dank des neuen CEOs Dick Cosotolo nun langsam zu ändern.
Twitter macht Drittanbietern und deren Programmen das Leben schwerer: Auf twitter.com kann man ab sofort Fotos und Videos einbinden. Die Website wurde komplett re-launcht und gleicht der erst vor wenigen Wochen veröffentlichten App für das iPad. Vielleicht ein Zeichen dafür, dass sich das Unternehmen stärker aufs Geld verdienen konzentrieren will?
Links zu Bildern oder Videos werden nicht mehr als URL (Beispiel hier – http://marcus-schuler.com) angezeigt, sondern öffnen sich in einem Rahmen. Ganz ähnlich verhält es sich künftig auch mit Videos: Sie poppen in einem Videoplayer-Rahmen auf. Bislang war das auf der Weboberfläche von twitter.com nicht möglich; nur die Software von Dritt-Anbietern schaffte das – wie zum Beispiel Brizzly. Aber nicht nur das ist neu: Die komplette Weboberfläche von twitter.com wurde radikal überarbeitet, sie besteht jetzt aus zwei Spalten und hat jede Menge Zusatzfunktionen erhalten. In den nächsten Stunden soll sie weltweit zur Verfügung stehen.
Zaghafte Ankündigung bereits im Juli
Bei Twitter hatte man bereits im Juli durchsickern lassen, dass man Medien wie Bilder und Videos besser integrieren will. In den vergangenen Monaten konnte man beobachten, dass das kalifornische StartUp viele der Funktionalitäten, die externe Anbieter realisiert hatten, auf einmal selbst anbot. So zuletzt geschehen vor wenigen Wochen: Da brachte man eine kostenlose iPad-App heraus, die alle anderen Apps auf diesem Medium schnell in den Schatten stellte.
Das neue Twitter
Auf der Suche nach Einnahmen?
Nachdem die Twitter Gründer Evan Williams, Jack Dorsey und Biz Stone in den vergangenen Jahren schätzungsweise mehr als 22 Millionen Dollar Risikokapital erhalten haben, dürfte es Zeit werden, auch einmal an die Einnahmenseite zu denken. Ob da die Investoren etwas Druck gemacht haben? Stichwort “Monetarisierung”. Geld kann nur hereinkommen, wenn man möglichst viele der Daten über und auf die eigenen Plattformen und Applikationen lenkt. Nur so lässt sich messbar Werbung verkaufen.
Vor allen Dingen: Die Twitter-User müssen auf der eigenen Plattform bleiben und sollen möglichst nicht auf verlinkte andere Websites wegspringen. Zugleich betonte das Twitter Management, dass die leidigen Ausfälle des Dienstes (90 Millionen Tweets am Tag) der Vergangenheit angehören sollen. Man wolle für mehr Stabilität sorgen, versprachen Evan Williams und Biz Stone. Und noch eine interessante Zahl: Gut ein Viertel aller Tweets enthalten einen Link auf eine andere Website, auf ein Bild, ein Video oder ein Tondokument.
Twitter muss externen Anbietern wehtun…
Im Grunde muss Twitter dazu den externen Anbietern, denen man in den vergangenen Monaten via API-Schnittstelle so freizügig Zugang zum eigenen System gewährt hatte, Konkurrenz machen. Das Unternehmen, das seinen Sitz mitten in San Francisco hat, muss nicht nur sein schon angestaubtes Web-Design renovieren, auch die Bedienung muss einen gewissen Sex Appeal mitbringen. Daran hat es in den vergangenen Jahren gemangelt.
Nur deshalb konnten Software Clients wie TweetDeck überhaupt so erfolgreich wachsen. Manko für Twitter: Je mehr Dritt-Anbieter gute Lösungen anbieten, umso weniger User nutzen die ursprüngliche Web-Plattform twitter.com. Genau dieser Entwicklung versucht man nun bei Twitter zu begegnen.
Neue Twitter Profil-Seite
Twitter bewegt sich auf Facebook zu
Zugleich ist festzustellen: Twitter und Facebook bewegen sich aufeinander zu. War es zunächst Facebook, das twitter-ähnliche Features einbaute, so macht Twitter nun einen Riesenschritt auf Facebook zu. Die Oberfläche mag durch großformatige Bilder und aufspringende Videofenster nicht übersichtlicher werden, sie bindet aber die User stärker an die Website.
Google gibt Gas. Der Suchmaschinenriese versucht mit aller Macht, selbst ein erfolgreiches Social Network zu launchen. Wenn der neue Echtzeit-Dienst kein Erfolg wird, dann verpasst das kalifornische Suchmaschinen-Unternehmen womöglich ganz den Anschluss an Facebook, Twitter und Co.
Gestern ist man bei Google zunächst jedoch zurückgerudert. Anstatt eines “Opt-Out-Verfahrens” bei der automatisierten Erstellung einer Follower-Liste, will man jetzt auf ein “Opt-In-Verfahren” umstellen, bei der der Benutzer selbst entscheidet, welche Kontakte er aus seinem Gmail-Adressbuch zu Followern machen möchte.
Produktmanager Bradley Horowitz hat sogar in Aussicht gestellt, Buzz zusätzlich eine eigene Plattform zu spendieren. Diese Aussage wurde allerdings von einer Pressesprecherin des Konzerns teilweise revidiert. Angeblich hat man bei Google auch erwogen, Buzz ganz aus Gmail herauszunehmen. Das scheint aber nach dem gegenwärtigen Stand eher unwahrscheinlich. Man würde freiwillig auf geschätzte 176 Millionen potentielle Benutzer verzichten. Genau so viele, so hat das Marktforschungsunternehmen Comscore errechnet, habe der Gmail-Dienst.
Für die Sendung “Computer und Kommunikation” des Deutschlandfunks habe ich dazu am heutigen Samstag einen kleinen Hintergrundbeitrag gemacht.
Für vier Minuten Wort bitte auf den Play-Button klicken.
Für Google ist der Erfolg von Buzz überaus wichtig. Die Empörung nach den Datenpannen der vergangenen Tage ist zwar groß, doch wenn man in Mountain View nun schnell nachbessert, hat Buzz mittelfristig gute Chancen, zumindest Twitter Konkurrenz zu machen. Für alles weitere – für einen “Angriff” – auf Facebook fehlt Google schlichtweg das Know-How und die Erfahrung.
Mehr dazu in einem Gespräch für dieselbe Sendung des Deutschlandfunks, das wir heute Mittag aufgezeichnet haben. Das Gespräch dauert fünf öffentlich-rechtliche Minuten.
Im April saßen wir bei “Überblogger” Robert Scoble abends im Wohnzimmer und Robert zeigte uns seine Videoaufnahmen, die er ein paar Tage zuvor bei einer Pressekonferenz von FriendFeed gemacht hatte. Scoble war sichtlich begeistert vom neuen Interface, das FriendFeed ein paar Tage später einführen sollte. Vor allem die Echtzeitsuche und die Möglichkeit, mehr als nur 140 Zeichen absetzen zu können, schienen es ihm angetan zu haben.
Was bei Produktdemos ja häufig der Fall ist, wenn Leute, die die Software selbst programmiert haben, sie vorführen, sieht es kinderleicht aus. Alle Verlinkungen und Anwendungen machen auf den ersten Blick Sinn. Und in der Tat ist FriendFeed ja auch wirklich eine sehr praktische Ergänzung. Es ist so ein “Mittelding” zwischen Twitter und Facebook. Keine Plattform, die ich als erste Anlaufstelle ansteuern würde, aber ein Dienst, der es erlaubt, bei Twitter einen Tweet abzusetzen, um dann bei FriendFeed in Echtzeit weiterzudiskutieren ohne Beschränkung auf 140 Zeichen. Praktisch auch deshalb, weil ich nach Tweets suchen kann, die bei Twitter vermutlich längst gelöscht sind. Doof nur, dass nicht alle Twitter-User bei FriendFeed sind…
Offen gestanden war ich im April skeptisch, ob FriendFeed tatsächlich das Zeug haben dürfte, so viele Benutzer anzuziehen, wie das bislang Twitter gelang. Mir gefiel auch die modernisierte Oberfläche nicht. Ich weiß nicht, ob es meinen Bekannten Joerg Land (ganz rechts im Bild) und Sarik Weber (zweiter von rechts) (beide vom ehemaligen Hamburger Start Up Cellity) ähnlich ging. FriendFeed war und ist für mich eher klassische Middleware, es stellt idealerweise Verbindungen zwischen den unterschiedlichen Netzwerken her, weil es sich dazwischenklinkt.
Im Nachhinein kann sich das FriendFeed Team glücklich schätzen, Robert Scoble als Fan zu haben. Denn er nutzt Twitter zwar intensiv, in vielen Fällen zieht er aber seine Follower direkt zu FriendFeed rüber, um dort in Echtzeit mit den Leuten ins Gespräch zu kommen.
Ich kenne wenige Anbieter, mit denen sich verschiedene Netzwerke und Plattformen so geschickt verbinden lassen. Nur ein Dienst fällt mir da spontan ein: myON-ID aus München bietet mit seinem Content-Stream eine ähnliche Funktionalität, wenngleich die Ausrichtung der Plattform eine gänzlich andere ist. myON-ID geht sogar noch einen Schritt weiter: Per “Copy” und “Paste” kann man seit kurzem Ausschnitte von Internetseiten markieren und mit einem Bookmarklet in den eigenen Content Stream einfügen und kommentieren.
Dass FriendFeed nun an Facebook geht, ist ein perfektes Match und entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Denn die vier FriendFeed-Gründer Paul Buchheit, Jim Norris, Sanjeev Singh und Bret Taylor sind alles ehemalige Google-Mitarbeiter. Ihre Arbeit werden sie nun hinter den künstlichen Mauern von Facebook fortsetzen, abgeschottet von der übrigen Internetwelt und quasi uneinsehbar für Google. Ob es FriendFeed in dieser Form überhaupt noch weiter geben wird, beschäftigt viele seiner Nutzer. Vielleicht gelingt da Facebook ein sensibler Schachzug, nachdem es eher dafür bekannt ist, seine Nutzer vor vollendete Tatsachen zu stellen.
Pikant übrigens ist, dass man bei Facebook neuerdings – zumindest von den englischsprachigen Seiten aus, das Internet durchsuchen kann und zwar mit der Microsoft-Suchmaschine Bing. Microsoft wiederum ist an Facebook beteiligt. Ob Google nun doch versucht, bei Twitter einzusteigen?
In der digitalen Welt gibt es keinen Mangel, sagt Sören Stamer, Mitgründer und Associate von CoreMedia in Hamburg. Das Geschäftsmodell “Werbung”, wie es von Google betrieben wird, sei endlich. Nicht alle könnten von Werbung leben, meint er. Stamer ist davon überzeugt, dass die Menschen künftig freiwillig für bestimmte Dienste oder für Aufmerksamkeit Geld ausgeben werden.
Für ihn hat sich das Internet in den vergangenen zwei Jahren deutlich verändert: Vom Massenmedium, in dem einer an viele kommuniziere, hin zu einem sehr persönlichen Web, in dem der User auch ein Stück weit seine Gefühle offenbart. Möglich gemacht haben das die sozialen Netzwerke und – Twitter. Zunächst hielt Stamer Twitter für eine “dumme Idee”. Das war vor zwei Jahren als er auf der CeBit mit dem Twittern begann.
Mittlerweile hat er seine Meinung geändert: “Twitter ist das Medium, was die Welt schon verändert hat” – so Stamer in dem knapp fünfminütigen Gespräch, das wir bereits im April aufgenommen haben. Für mehr Sören Stamer einfach ins Video klicken.