Gewohnheiten zu verändern – das ist vermutlich die größte Herausforderung, die die neue Suchmaschine blekko meistern muss. Seit gut einer Woche befindet sich blekko in der offenen Beta. Zugang erhält man, wenn man blekko auf Twitter oder Facebook folgt. Hinter der neuen Suchmaschine steckt der 43jährige Rich Skrenta. Er wurde bekannt, weil er der Erste war, der einen Computervirus geschrieben hat. Skrenta ist Mitbegründer des Open Directory sowie von Topix. Beide Unternehmungen haben viel mit dem Thema Suche zu tun.
Skrenta will nun das Unmögliche wagen, und Google und Co. Konkurrenz machen. Seit drei Jahren arbeitet er mit 20 Mitarbeitern an der neuen Suchmaschine. Im vergangenen Jahr hatte ich die Möglichkeit, ihn in seinem Unternehmen zu besuchen. Vorausgegangen waren dutzende Interview-Anfragen meinerseits, bis sich Skrenta schließlich im Mai vergangenen Jahres erweichen ließ. Mittlerweile ist blekko in die geschlossene Beta übergegangen und Rich war so freundlich, mir einen Zugang zu schicken.
Das Unternehmen blekko ist nicht sonderlich groß. Man hat in Redwood City, das ist eine halbe Autostunde südlich von San Francisco, in einem Bürokomplex eine halbe Etage gemietet. Es sieht aus, wie man es sich bei einem hauptsächlich aus Programmieren bestehenden Start-Up vorstellt: Viele leere Pizza-Kartons, Getränkeflaschen – geordnetes Chaos.

Rich Skrenta, Gründer von blekko.com
Skrenta genießt im Silicon Valley ein hohes Ansehen. Der 43jährige ist alles andere als ein Träumer. Er hat in den vergangenen drei Jahren, seit er an blekko arbeitet, mehr als 20 Millionen Dollar Risiko-Kapital erhalten. Darunter befinden sich namhafte Investoren wie Ron Conway, der auch als einer der ersten in den 90er Jahren in Google investiert hat. Für Silicon Valley Verhältnisse mögen 20 Millionen Dollar nicht viel sein, wenn man die Konkurrenz betrachtet, sie sind aber doch ausreichend, um wahrgenommen zu werden. Skrenta weiß, dass er selbst bei einem kleinen Marktanteil von ein bis zwei Prozent bereits schwarze Zahlen schreiben kann. Denn Werbung neben Suchergebnis-Seiten kann ein sehr gewinnbringendes Geschäft sein.
Blekko hat zwei wesentliche Punkte, in denen es sich von Google, Bing oder Yahoo unterscheidet.

Startseite von blekko.com
Zum einen gibt es da die Slashtags. Der Name ist eine Eigenerfindung. Dahinter verbirgt sich die Möglichkeit, Ergebnisse bereits bei der Anfrage zu filtern. Slashtags sind bei blekko in englischer Sprache entweder vorgegeben (wie zum Beispiel /news, /liberal, /humor, /blogs, etc.) oder man kann selbst einen Slashtag erstellen. Andere User können einem folgen. Hat man selbst erstellte Slashtags freigegeben, können diese von anderen Usern mitgenutzt werden, wenn sie dem entsprechenden Slastag „folgen“. Google und Bing bieten vertikale Suchmöglichkeiten bereits seit längerem an.
Bei Google findet sich diese Möglichkeit zum Beispiel auf der linken Seite unter Optionen. Microsofts Suchmaschine war auf diesem Gebiet Vorreiter. Bei beiden sind diese Filtermöglichkeiten quasi eingebaut beziehungsweise fix vorgegeben. Neu bei blekko ist, dass man vertikale Suche selbst mit-gestalten kann.

Unter meinem Profil angelegter "Slashtag"
Blekko hat nach eigenen Angaben zur Zeit rund drei Milliarden Seiten indexiert. Es dürfte sich dabei vor allem um englischsprachige Seiten handeln. Google und Yahoo teilen zwar mittlerweile nicht mehr mit, wie groß ihr Suchindex ist, er dürfte aber das zehn- wenn nicht gar das Hundertfache dessen von blekko betragen. Dies ist einer der Gründe, weshalb die Suchergebnisse von blekko nicht zu 100 Prozent vergleichbar sind. Auch was die Genauigkeit der Ergebnisse angeht, lässt sich momentan schwer sagen, wie gut blekko wirklich ist, wenn es darum geht, relevante Seiten auszuliefern. Bei den von mir benutzten Suchbegriffen sind mir keine Spam-Seiten aufgefallen. Aber das will natürlich nichts heißen.

Slashtag /rank
Ein Feature, das ich so bislang noch nicht gesehen habe, ist die Offenlegung des Such-Algorithmusses. Blekko zeigt, weshalb bestimmte Seiten bei der Trefferausgabe weiter oben rangieren und andere nicht. Dazu werden die Kriterien, die zum Ranking geführt haben, offen gelegt. Dieses Feature gefällt, weil es für Transparenz sorgt.
Kehrseite dürfte sein, dass Spammer Suchergebnisse leichter manipulieren können.

Mehr Details mit slashtag /rank
Gibt man nach dem Suchbegriff einfach den Slashtag /rank ein stellt blekko dar, wie es zur Gewichtung der einzelnen Ergebnisse kommt. So erfährt man fein aufgedröselt, ob beispielsweise der Suchbegriff als Bestandteil des Domain-Namens Einfluss auf das Ranking der Seite hatte oder nicht.
Ob die Größe der Überschrift eine Rolle spielt oder die Anzahl der auf die Domain oder Seite zeigende Links.Selbst wenn man nur nach einem Begriff sucht und den Slashtag /rank weglässt, bietet blekko zu jeder Seite eine SEO-Analsyse an. Und die entschleiert dann, aus welchen Ländern zum Beispiel so genannte „Backlinks“ eingehen, in welcher Anzahl und von welcher Site die meisten Backlinks reinkommen.
Unter „duplicated“ content kann man sich anzeigen lassen, welche und wieviele Websites die Inhalte aus unserer Beispielseite (hier ist es die englische Wikipedia-Ausgabe mit der Seite Computer) übernommen haben. Blekko bietet dem Benutzer noch weitere Links an, um die Seite zu analysieren. Für Menschen, die sich mit SEO, dem Optimieren von Web-Inhalten für Suchmaschinen, beschäftigen, sicherlich ein spannendes aber auch zeitraubendes Feature. Für die schnelle Suche dürfte es vermutlich eher entbehrlich sein.

Duplizierte Inhalt
Die große Frage dürfte sein: Hat blekko das Potential zu einer festen Größe auf dem Suchmaschinenmarkt zu werden?
Wenn es blekko schafft, zu begeistern, könnte Skrentas Unternehmen Marktanteile jenseits der 1-Prozent Marke erreichen. Dass er mit blekko Google ernsthaft Konkurrenz machen dürfte, wage ich zu bezweifeln. Dafür ist blekko zu sehr ein Spezialisten-Tool. Ich glaube aber, dass Skrenta und seinem Team die Anerkennung aus Mountain View sicher sein wird. Wenn eine Suchmaschine aus dem Stand heraus Google am nächsten kommt, dann wäre für mich blekko – wenn es um die Funktionalität geht, schon sehr nahe dran.
Als ich im vergangenen Jahr Rich Skrenta fragte, was ihn daran motiviere, blekko zu machen, war sein zweites Argument: Geld. Im Internet ließe sich mit Werbung neben Suchergebnissen das größte Geld verdienen. Sein erstes Argument war, dass es technisch unglaublich spannend sei, eine Suchmaschine im Web zu realisieren, weil man dazu eine Unmenge an miteiander vernetzten Rechnern benötige. Die einzige Sorge, die Skrenta damals hatte, war die eigene Serverfarm. Google, so sagte er sinngemäß, hat überall auf der Welt Rechenzentren. Blekko haben nur ein einziges Rechenzentrum unten in Sunnyvale.
Sollte also der erste Ansturm auf blekko losbrechen, könnte die Suchmaschine abstürzen oder nur verzögert Ergebnisse ausliefern. Das ist es, was Skrenta und sein Team fürchten. Das ist auch der Grund, weshalb man bei blekko nur sukzessive, via Twitter und Facebook, Beta-Zugänge erhält. Man will die Last auf den eigenen Servern langsam erhöhen und gegebenenfalls die Möglichkeit haben, rasch weitere Kapazitäten zur Verfügung zu stellen.