Im Oktober erscheint das Vista-Nachfolgesystem Windows 7. Seit ein paar Wochen kann man im Technet-Channel von Microsoft bereits die englische RTM-Version herunterladen und zu Testzwecken installieren. RTM heißt Release to Manufacturing, also bereit für die Veröffentlichung.
Ich habe mir dieses Wochenende nun die englische 64-Bit Variante des neuen Systems installiert und muss sagen, dass mein erster Eindruck sehr positiv ausfällt.
In den vergangenen Monaten habe ich ganz bewusst darauf verzichtet, die Beta Version des neuen Betriebssystems zu installieren. Für mich ist es wichtig, Software unter realistischen Bedingungen testen zu können. Realistisch ist für mich, wenn ich wirklich gezwungen bin, damit zu arbeiten und nicht sofort auf die alte Festplatten-Partition umspringen kann, um das Vorgängersystem zu laden. Das geht nur, wenn man sein komplettes Arbeitsumfeld umstellt; inklusive Textverarbeitung, Email-Client, Web-Browser, Grafik-Bearbeitung, Media-Player und so weiter.
Meine erstes Fazit nach gut zwei Tagen des Testens:
Windows 7 ist sehr stabil, es nervt weit weniger mit Warnmeldungen als Vista; aber vor allem die Performance scheint zu stimmen. Es fährt nicht nur schneller hoch, sondern läuft auch sehr flüssig und flott. Das merkt man insbesondere dann, wenn man eine Software wie Word oder ein Fotobearbeitungsprogramm wie Photoshop CS4 startet.
Um auch in dieser Hinsicht den Appetit von Windows 7 noch weiter zu zügeln, habe ich den so genannten “SearchIndexer” als Dienst gleich zu Beginn deaktiviert. Ich verwende seit Jahren die Desktop-Suche von Copernic. Sie ist nach wie vor deutlich flotter als das von Windows bereits unter Vista ausgelieferte Tool, das unangenehm nervt, weil es andauernd im Hintergrund die Festplatte nach neuen Dateien durchwühlt. Aber Vorsicht: Copernic installiert auch ein Plugin für Firefox mit. Dieses muss man – zumindest in der aktuellen Firefox-Version 3.5.2 deaktivieren ebenso die Indexierung der Firefox-Chronik im Options-Menü von Copernic, ansonsten lässt der Browser die CPU auf Hochtouren laufen. Bei Copernic weiß man um dieses Bug und will wohl demnächst für Abhilfe sorgen.
Es gibt aber so ein paar Dinge, die unterscheiden den Vista-Clone Windows7 dann doch von seinem Vorgänger. Neben der deutlich größeren Taskbar, sind dies vor allem ein überarbeiteter und deutlich aufgeräumt daher kommender Windows Explorer, dessen Einstellungen so bleiben, wie man sie einmal festgelegt hat. Neu sind auch die so genannten Libraries oder Bibliotheken, in denen man Dateien sammeln und sortieren kann.
Besonders gut gefällt mir die viel kritisierte, neue Taskbar, auf der sich Programm-Icons festpinnen lassen. Zugegeben: Da kommt schon ein wenig Mac OS Feeling auf. Fährt man mit der Maus über das Icon, erscheinen Vorschauen der geöffneten Instanzen. Auch wenn vielleicht mehr Icons als früher gewohnt auf der neuen Taskbar liegen, erreicht man sein Ziel mit weniger Klicks. Die Bedienung ist intuitiv. Anfangs sucht man zwar noch rechts unten am Bildschirm nach den verkleinerten Programm-Icons – zum Beispiel nach dem Email-Client Thunderbird – aber nach ein, zwei Tagen hat man diese alte Gewohnheit abgelegt. Wobei: auch hier kann man selbst konfigurieren und beispielsweise festlegen, ob das geöffnete Programm versteckt oder offen in der Taskbar liegen soll oder ob man sich mit einem großen Icon begnügen möchte.
Testweise habe ich Windows7 auch noch auf einem zwei Jahre alte Toshiba Notebook mit 2GB Ram und Intel Celeron Dual-Core Prozessor installiert. Auch hier das gleiche Bild – Windows 7 läuft flott, erkennt zu 100% meine Hardware und ist bereits nach gut 40 Minuten nach Installation einsatzbereit. Ohne rattern im Hintergrund oder nervende Warnmeldungen. Nicht mal zur Aktivierung im gefühlten Viertelstunden-Rhythmus, wie einst bei Vista, wird man aufgefordert.
Dass solch ein deutlich entschlacktes System auch Auswirkungen auf die PC-Hersteller haben dürfte ist klar. Ich bin gespannt, in welche Richtung sich der Markt für PC-Komponenten entwickeln wird.