Facebook ist das größte soziale Netzwerk der Welt. Es kommt nach eigenen Angaben auf mehr als 500 Millionen Nutzer weltweit. Vor wenigen Tagen hat das kalifornische Unternehmen einen neuen Dienst freigeschaltet. Er heißt „Places“ – Orte.
Damit können die Nutzer ihren eigenen Aufenthaltsort freigeben. Zunächst ist dieser Dienst nur auf die USA beschränkt, er soll aber auch nach Europa kommen.
Wie funktioniert Facebook Places?
Der neue Dienst macht vom mobilen Endgerät aus Sinn. Sprich: Man nutzt ihn mit dem Handy oder vom iPad aus. Dort kann man dank GPS-Satelliten-Navigation, die eigene Position bis auf wenige Meter genau bestimmen. Klickt man dann auf seinem Android-Telefon oder dem iPhone auf den „Places“ Knopf, wird einem angezeigt, welche Geschäfte in der Nähe sind und in welchen von denen Menschen, mit denen ich bei Facebook als „Freund“ verbunden bin, schon einmal hier waren oder gerade da sind. Ich kann in einem Restaurant, in dem ich mich beispielsweise gerade aufhalte „einchecken“. Das heißt, meine Facebook-Freunde können sehen, wo ich mich gerade aufhalte.
Außerdem gibt es die Möglichkeit, meine Freunde, mit denen ich mich vielleicht dort aufhalte, ebenfalls mit „einzuchecken“. Diese Funktion lässt sich, wie auch viele andere, deaktivieren. Auch ein Einchecken durch „Dritte“ kann ich löschen beziehungsweise grundsätzlich untersagen.
Facebook Places funktioniert bislang nur mit der iPhone App, auf dem Android-System lässt sie sich aber (in den USA) über die mobile Web-Oberfläche nutzen.
Welchen Nutzen verspricht sich Facebook von der Einführung der Ortungsmöglichkeit?
Als Nutzer kann man auf seinen Aufenthaltsort abgestimmte Werbung erhalten. Experten in Amerika bewerten diesen lokalen und regionalen Anzeigenmarkt mit einem zweistelligen Milliardenbetrag. Aber noch hält man sich bei Facebook zurück, eine Vermarktung oder gar Werbung gibt es nicht. Dies sei im Augenblick auch nicht geplant, versichert man in der Firmenzentrale in Palo Alto. Gleichwohl können sich Geschäfte bei Facebook anmelden. Dies aber nur, um so im Places-Dienst gefunden zu werden und so genannte Fan-Seiten anzulegen.
Was sagen Konkurrenten wie Gowalla und Foursquare zu dem neuen Dienst?
Dennis Crowley, der Mitbegründer von Foursquare, einem der beiden führenden Lokalisierungsdienste in den USA, hat Places in einem Interview mit der britischen Zeitung Daily Telegraph diese Woche als „langweilig“ bezeichnet.
Facebook ist mit seinem Geo-Location-Dienst recht spät dran. Es gibt in den USA bereits zahlreiche andere Dienste, die sich spezialisiert haben. Foursquare mit seinen 2,5 Millionen Benutzer oder Gowalla sind hier zu nennen. Yelp ist meiner Meinung der cleverste Dienst: Er stellt mir basierend auf meinen Ortsangaben dar, welche Geschäfte sich in meinem Umkreis befinden inklusive einer detaillierten Bewertung der Benutzer.
Nimmt Facebook mit seinen geschätzten 500 Millionen Mitglieder diesen Dienste nicht die Benutzer weg?
Ob das tatsächlich passieren wird, muss man abwarten. Bei Facebook will man den anderen Diensten die Möglichkeit geben, sie über eine Schnittstelle zu integrieren. Foursquare, Gowalla und Yelp wollen diese Möglichkeit auch nutzen. Ich glaube, davon können beide Seiten profitieren.
Sicherheitsexperten und Datenschützer warnen vor den Gefahren. Wovor warnen sie genau?
Wenige Stunden nach dem Start des nur in den USA funktionierenden Dienstes hat sich gleich die deutsche Vebraucherschutzministerin Ilse Aigner zu Wort gemeldet und vor der Sammelwut der sozialen Netzwerke gewarnt. Datenschützer befürchten, dass die Nutzer zu gläsernen Menschen werden und jeder Schritt, den man tut, nachvollziehbar wird.
Hat Facebook Places die Kritik verdient?
Mittlerweile mehren sich die Stimmen, und das sind nicht nur Blogger, die die derzeitige Kritik für überzogen und vorschnell halten. Jene Menschen argumentieren, dass ortsbezogene Informationen immer wichtiger würden, dass sie auch einen sinnvollen Charakter haben könnten. Sie werfen den Facebook-Kritikern vor, solche Entwicklungen vorschnell mit Verweis auf den Datenschutz abzukanzeln. Diese Sichtweise sei, so die Argumentation, bisweilen technikfeindlich.
Hinzu kommt: Facebook scheint aus der Kritik der Vergangenheit gelernt zu haben. Vor wenigen Monaten noch waren die Einstellungen zur Privatsphäre schwierig zu finden und verwirrend. All das hat man geändert. Diese Einstellungen sind jetzt sehr viel leichter zu erreichen. So lässt sich der Lokalisierungsdienst komplett abschalten.
Auch kann ich bestimmen, wem ich meine Ortungsdaten freigebe will. Ganz wichtig: Als Nutzer entscheidet man schlussendlich selbst, ob man an einem bestimmten Ort „einchecken“ möchte oder nicht. Das geschieht nicht automatisch. Ich bin also selbst verantwortlich. Man muss dazu einen Knopf drücken. So ist es übrigens auch bei den meisten anderen Lokalisierungsdiensten im Netz.
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