Radio, Fernsehen und Internet wachsen weiter zusammen. Das ist eines der Erkenntnisse der ARD/ZDF Online-Studie 2010, die Mitte August erschienen ist.
Birgit van Eimeren, Leiterin der Unternehmensplanung und Medienforschung beim Bayerischen Rundfunk in München, sieht weiter einen Verdrängungswettbewerb bei den Zeitungen. Ganz anders auf dem Fernsehmarkt: Dort nimmt die Nutzung weiter zu. Mit 244 Minuten täglichen Fernsehkonsums in Deutschland sei das der höchste Wert seit Einführung der GfK-Messung. Gerade für TV-Macher sei dies eine große Chance, weil sich Fernsehen und Internet gegenseitig befruchteten, so van Eimeren im Gespräch mit meinem Kollegen Richard Gutjahr.
Am beliebtesten sind vor allem Onlinevideos mit 65 Prozent der Nutzer. Das ist für die meisten wichtiger als viele Web-2.0-Aktivitäten.
Mehr als 40 Prozent aller Internetnutzer seien in einem sozialen Netzwerk registriert. Zurückhaltender verhielten sich die Internetnutzer in Deutschland, wenn es darum gehe, selbst aktiv zu werden.
Der Anteil der Twitter-Nutzer liege in Deutschland mittlerweile bei 3 % oder 1,5 Mio. Menschen. Am Beispiel der NRW-Wahl haben man sehen können, so van Eimeren, dass Blogs sehr wohl wahrgenommen und von den klasssischen Medien zunehmend aufgegriffen würden.
Anfang des Monats wurde die ARD/ZDF-Online-Studie veröffentlicht. Außergewöhnlich: wie gewöhnlich die Zahlen dieses Jahr ausfielen! Mit 67,1 Prozent sind zwei Drittel der Deutschen online. Nur ein geringer Zuwachs gegenüber dem Vorjahr. Langweilig? Keineswegs! Denn es zeigt, wie sich das Internet gegenüber den linearen Medien emanzipiert und seinen festen Platz in der Gesellschaft erkämpft hat.
Phänomene wie der Silver Surfer waren kein einmaliger Ausrutscher. Heute sind mehr alte Menschen (60+) im Netz als Teenager (14-19 Jahre). Multimediale Zusatz-Angebote sind nicht länger „Nice-to-haves“, sondern werden vom Nutzer inzwischen erwartet und auch genutzt. Bei den jüngeren Nutzern haben vor allem die Sozialen Netzwerke großen Zulauf.
Die ARD/ZDF-Online-Studie gibt es seit 1997 (ARD) und gilt bundesweit als die umfangreichste und bedeutendste Erhebungsreihe ihrer Art. Anders als bei vielen anderen Befragungen setzt sich die ARD/ZDF-Studie mit den Mechanismen der Online-Welt auseinander: Was sind die zentralen Anwendungen im Netz? Was macht diese Angebote so attraktiv? Für die aktuelle (representative) Studie wurden im Frühjahr dieses Jahres 1.806 Erwachsene in Deutschland befragt.
Meine Kollege Richard Gutjahr und ich haben mit der Leiterin der Medienforschung des BR, Birgit van Eimeren, gesprochen.
[Disclaimer: Richard und ich sind beide Mitarbeiter des BR]