
Einen Podcast zu produzieren, ist dank günstiger und einfach zu handhabender Technik, so einfach wie nie zuvor. Das fängt beim Telefoninterview via Skype an und hört bei der Mehrspur-Produktion mit Systemen wie Audition oder dem Open-Source Schnitteditor Audacity auf. Im ersten Teil meiner kleinen Audio-Reihe geht es um Skype.
In den kommenden Folgen stelle ich Euch “Codecs” vor, empfehle einzelne Mikros oder Mischpulte und zeige Euch Audio-Software, die leicht zu bedienen ist.
Teil 1 – Skype
Immer wieder werde ich von Hörern unseres geek-week.de Podcasts angesprochen, wie wir denn produzieren und welche Technik bei uns zum Einsatz kommt. Viele sind überrascht über die gute Tonqualität, wenn ich erzähle, dass wir bis vor kurzem noch Skype benutzt haben, um Frederic, der knapp 9.000 Kilometer entfernt an der US-Westküste lebt und mich zusammenzuschalten.
Interviews und Gespräche via Skype
Der Trick für eine ansprechende Ton-Qualität ist ganz simpel: Beide benutzen wir gute Mikrofone. Jetzt ist der Begriff “gut” ziemlich dehnbar. Mit gut sind Großmembran-Mikros gemeint, die es bereits ab 90 Euro gibt und die man per USB an den Rechner – Notebook oder PC – anstöpselt. Welche Mikros empfehlenswert sind, darauf komme ich in einer der nächsten Folgen zurück.
Ich weiß nicht genau, woran es liegt: Skype scheint am Wochenende eine schlechtere Tonqualität zu liefern als unter der Woche. Das proprietäre Skype funktioniert ähnlich einem Peer-To-Peer-Netzwerk. Einzelne Gespräche werden über die Rechner anderer geleitet, den so genannten Super Nodes. Da am Wochenende vermutlich weniger Traffic herrscht, so meine Vermutung, gibt es an diesen Tagen etwas mehr Aussetzer oder “Spratzler” als unter der Woche.
Deshalb: Wer Interviews via Skype aufnehmen will, sollte das möglichst unter der Woche tun. Außerdem ist natürlich wichtig, dass man über einen halbwegs schnellen Internetzugang verfügt. Alles jenseits der 256 KBit Upload ist prima. Und wenn der Interviewpartner dann noch eine ordentliches Mikro benutzt, also nicht gerade das Billig-Headset für 8,95 – gelingt die Aufnahme meist immer.
Außerdem solltet Ihr darauf achten, dass Euer Computer nicht am Wifi hängt, sondern nach Möglichkeit direkt an ein Netzwerkkabel angeschlossen ist.
Audios pimpen
Bei vielen Profis in Ton-Studios und beim Radio ist der Einsatz eines Kompressors geradezu verpönt. Ich sehe das anders: Wenn Euer aufgenommenes Wort dadurch besser, präsenter, “fetter” klingt, bietet sich ein Kompressionswerkzeug, also eine Wandlung des Audiomaterials, an. Ich verwende dazu meist den Multibandkompressor, der bei Adobe Audition dabei ist, einer Software, die ich seit Jahren verwende, auch wenn sie vielleicht für die Produktion von Podcasts etwas überdimensioniert ist.
Adobe Audition
Ein Kompressor sorgt dafür, dass die leisen Stellen im Audio-File angehoben werden und der gesamte Klangteppich pegeltechnisch auf einen fast einheitlichen Level gebracht wird. Die Gefahr besteht allerdings darin, dass man den Kompressor zu stark reindreht. Dann klingt alles wie ein Werbespot im Radio (die sind nämlich auch heftig komprimiert und soundtechnisch aufgemotzt). Die ersten 20 Sekunden hören sich für das menschliche Ohr noch gefällig vor allem laut und markant an; schnell aber gewöhnt sich unser Ohr an die “zusammengepressten” Klänge und ermüdet. Also: Vorsicht beim Einsatz eines Software-Kompressors.
Früher war alles aufwändiger…
Magic AC1 von AVT
Im analogen Zeitalter brauchte man dafür noch einen Telefonhybriden, den sich nur Radiosender leisten konnte. Dieser wurde später vom ISDN-Codec abgelöst. Voraussetzung: auf der anderen Seite, der Gegenstelle, muss sich ebenfalls ein ISDN Codec befinden. Ist das der Fall wird über die zusammengeschaltete ISDN-Leitungen, die zusammen 128 KBit Up- und Downspeed Geschwindigkeit ergeben, ein MP2 oder MP3 Signal geschickt.
In vielen Rundfunkanstalten und Studios ist dies heute immer noch der Standard. Entsprechende Codecs haben dafür ihren Preis: Im Schnitt muss man 5.000 Euro und mehr für ein neues Gerät anlegen, das MP2 Sound unterstützt. Dafür gibt es dann aber auch einen perfekten Stereo-Klang ohne “Spratzler” oder kurze Aussetzer.
VOIP
Voice Over IP – hammer heiler Sound über das Internet heißt die Zukunft. Skype ist ein Vertreter davon im “Amateur-Lager”. Heißt: Der Sound ist deutlich besser als wir vom Telefon gewohnt sind. Es geht aber noch viel viel besser. Mehr dazu im nächsten, dem zweiten Teil meiner kleinen Podcast-Reihe.