Richard Gutjahr und ich sind diese Woche im Silicon Valley unterwegs. Fast ein Jahr waren wir nicht mehr hier. Jeden Tag gibt es im Wechsel in unseren Blogs eine kleine Geschichte. Stay tuned…
Es gibt kaum einen Menschen, mit dem ich so gerne verreise wie mit meinem Kollegen und guten Freund Richard Gutjahr – abgesehen natürlich von der besten Ehefrau von allen, mit der ich am allerliebsten auf Reisen gehe. Und natürlich meinem Chef. Und meinem Zahnarzt. Nicht zu vergessen meine Sachbearbeiterin im Finanzamt, die meine Steuererklärung bearbeitet. Aber dann kommt gleich Richard.
Wir beide waren bereits auf einigen Trips im In- und Ausland unterwegs. Da lernt man natürlich den Anderen mit all seinen Macken kennen. Richard hat keine Macken. Was für sich genommen ja die Mutter aller Macken ist. Ich halte sein Verhalten dennoch für einen ausgeprägten Gen-Defekt oder so etwas ähnliches.
Rettung ist vermutlich nur möglich, wenn Steve Jobs wieder zu Kräften kommt, dann Google aufkauft und die besten Eigenschaften von Android-System und iPhone miteinander verschmelzt. (Richard würde jetzt vermutlich sagen: “Richtig, aber heißt das dann nicht sowieso schon iOS?”). Die Symptome von Richard sind immer dieselben: glänzende Augen, dann ein starrer Blick, Dauergrinsen und die Abkoppelung vom Rest der Welt, wie ein Astronaut, der selig in der Schwerelosigkeit schwebt, aber in seinem dicken Raumanzug die Außenwelt nicht mehr hört, weil die Funkverbindung abgerissen ist.
Auf meine Frage: “Richard, was ist von dieser Apple TV Box zu halten, kann ich die guten Gewissens kaufen, kostet nur 99 Dollar, umgerechnet 68 Euro”, erhält man meist die ungemein ausufernde Antwort: “Ja”. Gewiss, ich bin kein Apple Fan, Fanboy schon gar nicht, wie sich mein Kollege mit etwas Selbstironie früher einmal zu nennen pflegte.
Nun stehen wir also in diesem komischen Laden des Apfelkonzerns. Die Größe spottet eigentlich jedem anderen dieser “Stores”, weil er so winzig ist. Dieser hier ist jedoch etwas besonders, weil es sich um den (O-Ton Richard: “DEN!”) Company Store am Hauptsitz von Apple in Cupertino handelt. Und hier gibt es Dinge, die es eben in keinem Apple Store auf der Welt gibt. Dinge, die der eingefleischte Fan bzw. Richard Gutjahr Fanboy (sic!) unbedingt benötigt. Produkte, deren Design so bestechend ist, dass man sie nur am Hauptsitz des Unternehmens kaufen kann. Und dort und wirklich nur dort gibt es sie. Beispiele?
Schnuffeltücher mit eingesticktem Apple-Logo (9,95 Dollar), Kaffeetassen mit Apple-Logo, verschiedenfarbige Baseball Mützen mit – logisch – Apple-Logo. Babyklamotten und Strampel-Höschen in jeder erdenklichen Farbkombi – natürlich mit Apple-Logo.
Mal ehrlich: Würdet Ihr Eure sieben Wochen alte Tochter in einem Strampelanzug mit rosa Apple Logo stecken? Passend dazu das weiße Mützchen mit eingesticktem goldfarbenen Apple Logo?
Sicherheitshalber habe ich fünf von diesen Stramplern (6 Monate, 9 Monate und der Rest in 12 Monate Größe) für meine kleine Tochter Valentina gekauft, die zufälligerweise sieben Wochen alt ist. Passend dazu zwei dieser (echt süßen) weißen Mützchen mit dem angebissenen Apfel.
Können Mädchen eigentlich auch Fanboys werden?
Morgen könnt Ihr bei Richard übrigens mehr über den Company Store lesen. Vielleicht gibt er Euch ja ein paar seiner Apple-T-Shirts ab, die er heute gekauft hat….
Max und seine beiden Freunde sitzen in unserer Küche und schauen gegen die beige Wand. Hinter ihnen haben wir unsere Kamera aufgebaut. Sie wird gleich die Hinterköpfe der drei Aktionskünstler aufnehmen. Die drei wollen nicht erkannt werden.
Zuvor haben wir uns mit ihnen in einer benachbarten Kneipe getroffen. Eine der Bedingungen lautet: keine echten Namen, sie wollen anonym bleiben. Die drei sind zwischen 25 und 30, gerade frisch von der Kunstakademie. Sie können es sich nicht leisten, von Apple oder deren Anzeigen-Agentur verklagt zu werden.
Max
„Wir haben nichts gegen Steve Jobs“, sagt Max. „Wir bewundern ihn, ja, wir finden seine Produkte toll. Allerdings: Wir wollen uns nicht von ihm diktieren lassen, was wir sehen oder denken dürfen.“
Einen Tag vor Beginn der Entwicklerkonferenz von Apple, der WWDC, haben die drei rund um das Konferenzzentrum Moscone West für Aufmerksamkeit gesorgt – zumindest haben sie es auf die Startseite von Techcrunch geschafft, und das will etwas heißen. Das war der Tag vor der so genannten Keynote von Apple-Boss Jobs. In jener Nacht vor der Keynote, es muss der frühe Montagmorgen sein, ziehen Max, Marcos und Ian ihre schwarzen Kapuzenjacken an, schnappen sich eine Videokamera und packen vorsichtig die Plakate ein, die sie nur wenige Stunden zuvor produziert haben. „Freedom for porn – Dudes who like porn“ – nennen sie ihre Aktion.
Gefakte Apple-Werbung
Die Plakate sehen der aktuellen iPad Werbekampagne verblüffend ähnlich. Nur einige, sagen wir mal „Nuancen“, stimmen nicht mit der Original-Kampagne überein. Da ist zum Beispiel ein iPad, das die fiktive Facebook Seite des Apple-Chefs zeigt.
Die Idee zu der Aktion hatten wir am Vortag sagt Max, wir haben uns durch eine ähnliche Aktion eines Künstlers in Berlin inspirieren lassen. Dann haben wir uns an unsere Rechner gesetzt und angefangen, die Plakate kreativ zu verbessern.
Sunset San Francisco
Szenenwechsel: 1. Tag der WWDC. Wir sind nervös. Das liegt zum einen am Schlafmangel der vergangenen Tage, zum anderen wissen wir nicht so recht, was uns da erwartet. Welche Bilder können wir einfangen? Dutzende TV-Teams aus aller Welt sind akkreditiert. Wir können wir uns mit unseren Aufnahmen unterscheiden? Wird unser Standplatz okay sein oder sind wir ganz hinten?
Zum Glück ist bei der Firma Apple alles durchorganisiert. Dem Zufall wird hier nichts überlassen. Kalifornien und die Events der Tech-Branche haben wir vielfach anders erlebt. Nicht unprofessioneller, aber irgendwie „wärmer“, lockerer, halt typisch amerikanisch.
Apple ist dagegen straff durchorganisiert. Die Keynote ist vorbei. Ich packe gerade Stativ und Kamera zusammen, da spricht mich einer unserer deutschen Betreuer an und bittet mich, den Saal zu verlassen. Ich solle nach nebenan gehen. Dort wird das neue, soeben von Jobs gepriesene iPhone 4 speziell für die Presseleute ausgestellt.
Kollege Gutjahr kommt auf mich zu und flüstert mir ins Ohr: „Schnell – vor der Bühne steht noch Jobs, vielleicht kannst Du ihn aufnehmen“. Ich haste zur Bühne vor, dort wo der Menschenpulk ist, Blitzlichtgewitter. „Hier können Sie nicht lang!“ ruft mir die Apple-Mitarbeiterin in ihrem blauen T-Shirt hinterher. Ich ignoriere sie. Jobs steht vor der Bühne. Sein schwarzer Rollkragenpullover hängt schlaff an seinem ausgemergelten Körper. Der Gürtel ist um die Hüfte festgezogen. Im letzten Loch. Jobs scheint Nähe zu suchen. Er posiert ein wenig für die Kameras, wieder flackern die Blitzlichter auf. Er geht zurück zum Rednerpult, nimmt einen Schluck aus der Wasserflasche und kommt direkt vor der Bühne. Vielleicht 50 bis hundert Menschen stehen noch dort. Jobs geht in die Menge, lässt sich die Hand schütteln. Immer in seiner Nähe: seine Assistentin. Kommt ihrem Chef einer zunahe, Fan oder Presse, das spielt keine Rolle, gibt es als Verwarnug erst einen gestrengen Blick. Macht man dann noch immer keine Anstalten, den „Sicherheitsabstand“ einzuhalten, faucht sie einen bestimmt an, dass man mit Herrn Jobs nicht reden könne und doch bitte Abstand wahren solle.
Keynote
Jobs läuft durch die Menge, ohne Ziel. Einmal rein, dann wieder raus. Er geht hinter die Absperrung neben der Bühne und sucht seinen Vize Phil Schiller.
Nebenan im Presseraum spielt sich diegleiche Situation ab. Die Presse darf für eine halbe Stunde das iPhone 4 ablichten, in die Hand nehmen, damit herrum spielen. Viele der großen Tech-Journalisten aus dem Valley sind da. Walt Mossberg und Kara Swisher. Die Leute von Techcrunch. „Schnell komm, da steht wieder der Jobs“, sagt Richard, der mich gerade beim Objektiv-Wechsel stört. „Wie, der Jobs ist im Presseraum?“ frage ich. „Ja, schnell komm rüber.“
Ich sehe uns schon, ein Mini-Interview mit Jobs führen. Wie Richard sich vorpirscht und ihm ein oder zwei O-Töne entlockt. Jobs steht an einem der Tisch, auf dem die neuen iPhones ausliegen und unterhält sich mit einem Asiaten, den er gerade zu dem Tisch geführt hat.
Richard und ich boxen uns vor. Streiche boxen. Wir gehen auf die andere Tischseite. Stehen jetzt neben dem ihm. „Komm, frag ihn was“ murmele ich zu Richard. Der will sich Mikrophon anheben und einen Schritt auf Jobs zumachen, da steht plötzlich unser deutscher Pressebetreuer. Der Blickkontakt reicht aus. Kein Interview. Jede Nachfrage erübrigt sich.
Jobs kommt noch zwei oder drei mal zum Bad in der Presse zurück. Keiner der Jounalisten, der Kamerateams macht Anstalten ihn zu interviewen. Ich bin echt baff. Schweiß läuft mir die Schläfen runter. Zum Glück trage ich ein Jackett, mein weißes Hemd ist durchnässt. Stativ, Kamera und Mikrophone schleppen. Schnell wieder auf und zusammenbauen. Hier noch ein Schuss, dann ein Bild aus diesem Blickwinkel („Sorry, aber sie dürfen nur das iPhone aufnehmen, mein Gesicht dürfen sie nicht filmen“, sagt mir die Apple-Mitarbeiterin). Ich bin ko, muss mich mal nach der fast zweistündigen Keynote kurz mal auf den Boden setzen. „Sorry, hier können Sie nicht sitzen, bitte stehen Sie wieder auf“, bedeutet mir die Apple-Mitarbeiterin. Im 2. Stock, Seitengang Moscone West, ist Sitzen nicht erlaubt. Man könnte es sich ja bequem machen. Und die Presse muss zum Zeitpunkt X das Gebäude wieder verlassen haben. Schließlich wollen die 5.000 Apple-Entwickler den Rest der Woche unter sich sein.
Robert Scoble
Robert Scoble, Tech-Blogger, fragt uns zwei Tage später, ob wir uns schon einml die Parkplätze in Cupertino (Apple Hauptsitz) und Mountain View (Google Hauptsitz) angesehen hätten: Bei den Apple-Leuten, so Scoble, überwiegen die Luxusschlitten aus Germany, bei Google sieht man Öko-Autos und jede Menge Fahrräder. Die Unternehmenskultur beider Konzerne seien total verschieden. Bei Apple dürften die Entwicklungsabteilungen untereinander nur nach vorheriger Genehmigung miteinander sprechen, bei Google hingegen stehe Offenheit und Transparenz im Vordergrund.
Apple fasziniert und macht zugleich Angst. Ich kann Richard besser verstehen, der so ziemlich alles über Jobs weiß, was an Informationen öffentlich über ihn zugänglich ist. In Zeiten von Blogs, von Facebook, Twitter und anderer Dienste, erscheinen die Handlungen des amerikanischen Konzerns nur schwer nachvollziehbar. Gleichzeit bekommt Apple durch seinen enormen Erfolge bei iPhone und iPad recht. Befremdlich ist mir der “Personen-Kult” um Apple Boss Jobs. Vorauseilenden Gehorsam mochte ich noch nie. Was wird, wenn Jobs mal nicht mehr das Unternehmen lenkt? Werden seine NachfolgerInnen genauso verbissen und sturköpfig agieren?
Mehr zur WWDC am kommenden Samstag, dem 20. Juni bei 3sat neues um 16 Uhr 30.
Hier schon mal ein kleiner Vorgeschmack, auf das, was Euch erwartet in einem Videoclip von Richard.
Apple hat in San Francisco die vierte Generation seines iPhones vorgestellt. Dort begann die alljährliche Entwicklerkonferenz des Konzerns. Steve Jobs hielt traditionsgemäß die Eröffnungsrede.
Unter der Haube des iPhones hat sich einiges getan. Das Gerät unterstützt nun Video-Telefonie. Apple hat der neuen Funktionalität auch gleich einen Namen gegeben: Facetime. Doch Facetime wird zunächst nur über Wlan und nicht über das normale Telefonnetz funktionieren. So richtig neu ist das Thema nicht: Viele Konkurrenz-Modelle beispielsweise von Motorolla, HTC oder Nokia unterstützen schon seit Jahren Videotelefonie.
Flacher, schneller, brillanter
Eines fällt sofort auf: Das neue iPhone ist deutlich flacher geworden, es ist nur 9,3 Milimeter dick. Für den Akku hat man noch mehr Platz geschaffen – das bedeutet, das Gerät soll im Durchschnitt 40 Prozent länger laufen als sein Vorgänger. Die Antenne ist jetzt in das Metall-Chassis des Gehäuses integriert, dadurch kann man bei der Hülle auf die Kunststoffteile verzichten.
iPhone 4
Im Gerät befindet sich der neue, altebekannte A4 Prozessor. Das ist der erste Prozessor, den Apple selbst entwickelt hat und der sein Debüt im iPad hatte.
Besonders ausführlich hat Apple-Chef Jobs in seiner Keynote das neue Display gewürdigt, dessen Technologie man Retina getauft hat. Es unterstützt jetzt auch HD. Apple hat nach eigener Darstellung wohl einiges in die Fortentwicklung des Bildschirms investiert. So hat das Display vier Mal mehr Pixel als das alte iPhone.
Wenn man das neue Gerät in der Hand hält, ist der Unterschied wirklich frappierend: Das Bild ist deutlich brillianter und schärfer. Neu ist auch das Kamerasystem: Im neuen iPhone befinden sich gleich zwei Optiken – Eine vorne und eine auf der Rückseite. Und die macht Bilder mit bis zu 5 Megapixel. Das ist in vielen anderen Telefon schon länger gängiger Standard. Videos lassen sich damit in HD drehen und gleich auf dem Gerät bearbeiten. Passend dazu gibt es für knapp 5 Dollar die passende Schnitt-Software.
Details über die vierte Gerätegeneration waren schon vorher bekannt
Haus Staudt Redwood City
In einem deutschen Biergarten in Redwood City, 40 Kilometer südlich von San Francisco, war vor einigen Wochen ein Prototyp aufgetaucht. Das Technologie-Blog Gizmodo ist über Umwege an das Gerät gekommen, hat es auseinandergeschraubt, im Internet alles Details veröffentlicht und so Apple ein wenig von dem beabsichtigten Show-Effekt geklaut.
Was Apple am Montag auf der WWDC präsentierte, ist alles andere als eine Revolution. Ich würde es mehr eine logische Fortentwicklung eines populären Smart-Phones nennen. Eigentlich, und das könnte schon im Grunde ein Resümee der Rede von Jobs sein: Eigentlich hat man erwartet, dass Jobs eine wirklich Neuheit präsentiert oder auf die Kritik am geschlossenen App-System eingeht, sich über die Firmen-Policy, zu Zukunft von Apple auslässt. Das ist nicht passiert.
Apple Boss Steve Jobs
Ich habe seine Rede in weiten Teilen als ein großes Werbe- und Marketing-Event erlebt. Jobs schien es vor allem ums Geld zu gehen: Immer wieder zeigte er auf der Videowand Charts, die beweisen sollten, wie gut sich mit Apps im Apple-System Geld verdienen lässt. Ein Appel an die Developer bloß an Bord zu bleiben und nicht zum offenen Android-System umzuswitchen.
Stellenweise kam man sich wie mein Motivations-Training vor, wo vorne ein Guru steht und 5000 Menschen machen begeistert mit. Bei Apple geht das so: Ist eine technische Neuerung besonders gut gelungen, geht ein Raunen durchs Publikum gefolgt von Szenen-Applaus. Wenn Jobs sein Publikum nicht begeistern kann, dann fällt der Applaus spärtlicher aus oder die Leute murmeln. Das passiert immer dann, wenn Jobs unter anderem über die amerikanische Telefongesellschaft AT&T spricht, die in den USA das iPhone vertreibt. iPhone Nutzer in den USA beklagen die Qualität des AT & T Netzes.
Man sollte eines noch zum Charakter der Veranstaltung wissen: Apple nutzt die Konferenz auch, um ein die Programmierer aus aller Welt bei Laune zu halten. Rund 5.000 Entwickler sind diese Woche dabei und die verdienen ihr Geld damit, dass sie so genannte Apps fürs iPhone und iPad herstellen und über den App-Store verkaufen. Apple kassiert 30 Prozent, der Rest geht an die Entwickler.
Ein System von Geben und Nehmen.
Deshalb trommelte Jobs vor der Gemeinde und würdigte die neuen Möglichkeiten des Telefons. Jobs macht in seiner Rede klar, dass er auch künftig an dem strengen Kontrollsystem für neue Applikationen festhalten wird. Daran hatte es in den vergangenen Wochen ja immer wieder Kritik gegeben. Das Unternehmen behält sich auch weiterhin das letzte Wort vor.
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit – Bis ins Detail fein orchestriert.
Jobs Backstage
An den Veranstaltungen, den Vorträgen, die es die ganze Woche über bei der WWDC gibt, sind Journalisten offenbar nicht erwünscht. Es gibt jedenfalls keine Akkreditierungen. In der Eingangshalle weißt ein Schild die Besucher darauf hin, dass Inhalte aus Vorträgen geheim gehalten werden müssen. Sinnbildlich auch für die Reglementierung: Nach der Rede von Jobs wurden wir Journalisten aus dem Saal geführt und dürften in einem Seitengang für eine Stunde das neue iPhone in die Hand nehmen und testen. Wollte man sich hinsetzen, um auf dem Laptop ein Foto zu verschicken oder Videomaterial zu überspielen, wurde man höflich aufgefordert, doch aufzustehen.
Apple Boss Steve Jobs kam dann dort vorbei. Und was mich wirklich erstaunt hat: Kein Journalist hat sich getraut, Jobs ein Mikro unter die Nase zu halten. Das ist eigentlich ein Verhalten, was unter Journalisten unüblich ist. Wenn die Kanzlerin an Presseleuten vorbeiläuft, werden ihr sofort Mikrofone hin gehalten. Bei Jobs hielten sich alle zurück. Ich kann mir das nur so erklären, dass viele Journalisten Angst davor haben, in Ungnade bei Apple zu fallen und sich selbst Zurückhaltumg auferlegen. (Ich selbst habe es mir auch nicht getraut….)
Von den legendären Auftritten des Steve Jobs hatte ich andere Bilder in Erinnerungen: Überraschungen, Visionen, Anstöße – gestern schien offenbar alles anders. Die Keynote von Jobs habe ich in weiten Teilen als großes Werbe- und Marketing-Event erlebt.
Das neue iPhone ist sicherlich gut, ja eine logische Fortentwicklung des Vorgängermodells frei nach dem Motto: schneller, schöner (?), schlanker und vor allem schärfer. Vieles davon findet sich aber schon seit längerem in den gängigen Modellen der anderen Hersteller: Videotelefonie, zwei Kameras, fünf MegaPixel Auflösung.
Einzig: auf das Look and Feel hat Apple nach wie vor ein Monopol. Auch Kollege Gutjahr, mit ich gemeinsam für 3Sat über die Konferenz berichte, war nach dem Auftritt von Jobs eher ernüchtert.
Android kommt näher und das weiß auch der hagere Apple-Boss. Die Stimmung, die er vorne auf der Bühne zu verbreiten versucht, war die eines Goldgräbers: Die Gold-Mine ist nahezu gänzlich exploriert, andere, neue Schürfgebiete locken. Deshalb sagt Jobs auch so “bei-Laune-halten” Sätze wie, dass bald zusammengenommen eine Milliarde iPods, iPhones und iPads verkauft seien – es lohne sich daher Apps für die Apple-Welt zu entwickeln und er zeigt auf eine Chart: Die Marktanteile der Smart-Phone-Hersteller in den USA. Android kommt da (noch) nicht so gut weg. Nur Platz 4 und 9 Prozent Marktanteil.
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