Nun also doch: Michael Arrington ist nicht mehr länger Chefredakteur von TechCrunch. Das hat Tim Armstrong, CEO von AOL, heute bekannt gegeben. Nachfolger von Arrington auf dem Chefposten beim einflussreichsten TechBlog der Welt wird Erick Schonfeld.
Es ist fast genau ein Jahr her seit Michael Arrington seinen Dienst an AOL für mutmaßlich 25 Millionen Dollar verkauft hatte. Nun haben beide Seiten die Konsequenzen aus einem peinlichen Medienspektakel der vergangenen Woche gezogen. Arrington nahm es heute gelassen und trat demonstrativ entspannt bei der hauseigenen Konferenz “Disrupt” auf, wo er ein Shirt mit der Aufschrift “Unpaid Blogger” trug. Damit spielte er auf Arianna Huffington an, die vergangene Woche erklärt hatte, er könne weiterhin für TechCrunch arbeiten – allerdings unbezahlt.
Photo: TechCrunch
Die Geschichte
Peinlich war die Geschichte deshalb, weil sich Arrington zu einer Drohung gegenüber Neu-Eigentümer AOL verstiegen und den Rückverkauf an ihn gefordert hatte. Entzündet hatte sich der Streit zwischen Arrington auf der einen Seite und Tim Armstrong und Arianna Huffington als Contentchefin bei AOL auf der anderen Seite über ein abstruses Konzept, das Arrington brachial durchboxen wollte.
Seine Idee war, einen 20 Millionen Dollar schweren Beteiligungsfond aufzulegen, um damit in neue, erwartungsvolle Start Ups des Valleys zu investieren. Parallel dazu wollte er weiter seinem Job als Chefredakteur nachgehen. Arianna Huffington hatte sofort auf eine illegitime Interessenverquickung aufmerksam gemacht. Arrington könne nicht Chefredakteur des wichtigsten und tonangebenden Tech-Blogs im Silicon Valley sein und gleichzeitig über neue Geschäftsideen redaktionell berichten.
Schlechtes Krisen-Management von AOL
Viele weniger sensibel hat hingegen ihr Chef, Armstrong, agiert. Nach wie vor – das wurde heute ebenfalls bekannt – ist AOL Teilhaber an dem Fonds, den Arrington nun auflegen wird. Kara Swisher von All Things Digital, einem Konkurrenzangebot von TechCrunch, zitiert heute Abend aus dem internen Memo von Armstrong an die AOL-Mitarbeiter. Aus dem geht ganz klar hervor, dass AOL sich an dem Fonds beteiligen wird.
Finally, I’d like to announce that Michael Arrington, the founder of TechCrunch, has decided to move on from TechCrunch and AOL to his newly formed venture fund. TechCrunch continues to be a part of the AOL Huffington Post Media Group. AOL will maintain its initial investment in Michael Arrington’s fund and AOL Ventures will oversee our investment in the fund.
Auch dass der Name des Fonds – CrunchFund – hohe Ähnlichkeit mit dem Namen TechCrunch hat, scheint bei AOL niemanden zu stören.
Was nun, Herr Arrington?
Wie es mit Arrington und seinem Beteiligungsfond weitergehen wird, darüber kann man nur spekulieren. Manch Gründer dürfte sich gleich zweimal die Frage stellen, die “schwierige” Person Arrington als Investor mit ins Boot zu holen.
Dass Arrington schon immer Investor sein und zu den großen gehören wollte, hat er vor etwas mehr als einem Jahr bewiesen. Seinerzeit hatte er Wind von einer geheimen Zusammenkunft verschiedener Silicon Valley Investoren bekommen und war schnurstracks in das Hinterzimmer eines Restaurants in San Francisco einmarschiert. Und in hohem Bogen rausgeflogen…
Ob er es in diesem neuen Job wirklich lange aushalten wird, darf bezweifelt werden. Wer einmal so in der Öffentlichkeit stand, über so viel “mediale Macht” verfügte, dem dürfte es schwer fallen, im Hinterzimmer an Konzepten zu feilen, um Zahlen und Vertragsinhalte zu ringen und andauernd Start Ups in den Hintern zu treten. Viel eher dürfte Arrington bald die Lust verlieren, und nach einer vertraglichen Karenzzeit ein neues TechCrunch starten.