Die Facebook Alternative Google+ hat sich etabliert. Nach etwas mehr als drei Monaten ist dem Suchmaschinen-Konzern sowohl der große Wurf als auch der sichere Einstieg in den Markt der sozialen Netzwerke gelungen.
Vic Gundotra, innerhalb von Google für das neue soziale Netzwerk zuständig, hat sich mit seiner Strategie, die besten Leute bei Google zusammenzubringen und mit ihnen unter Hochdruck das neue Angebot zu entwickeln, auf ganzer Linie durchgesetzt.
Damit dürfte er auch ein Stück weit die sonst bei Google übliche, stark dezentrale Arbeitsweise auf den Kopf gestellt haben. Innerhalb von Google wird das Projekt nach wie vor als absolute Chefsache behandelt. Gundotra und sein Co Horowitz berichten täglich direkt an Larry Page.
Google+ Chef Vic Gundotra
Zugleich hat sich Ex-Microsoft-Mitarbeiter Gundotra, der zuvor unter anderem für die Entwicklung des Smart Phone Betriebssystems Android mit zuständig war, als neuer starker Mann unterhalb von Larry Page und Sergei Brin positioniert. Um einstige Google-Größen wie der klugen Marissa Mayer ist es etwas ruhiger geworden. Sie kümmert sich jetzt um Lokalisierungsdienste.
Schaut man sich die Stream viele User von Google+ an, dann äußern sich die meisten sehr zufrieden über die Funktionalität des Dienstes. Immer wieder liest und hört man Sätze wie: “So müsste Facebook auch sein” oder “Genau das fehlt mir bei Facebook”. Sicherlich liegt das an der leichten Bedienbarkeit des Dienstes, aber auch, dass die Einstellungen zur Privatsphäre von Anfang aktiviert sind. Sprich: Wer mehr von sich preisgeben möchte, muss das Google in den leicht zu erreichenden “Settings” erst einstellen. Bei Facebook war das in der Vergangenheit genau anders herum.
Dennoch dürfte Google+ erst ganz am Anfang stehen. Etliche Funktionen fehlen, viele kleine Verbesserung dürften in den kommenden Monaten für weiter wachsende Popularität sorgen.
Fehlende Suchfunktion
Besonders schmerzlich vermisst wird eine Suchfunktion, mit der sich die Streams, also die Einträge aller User, durchsuchen lassen. Zur Zeit ist nur eine Suche nach Profilnamen möglich. Vermutlich hat man bei Google davon abgesehen, diese Funktion gleich von Anfang an einzusetzen, um Geschwindigkeit und Stabilität des Systems nicht zu gefährden. Nachdem nun ein “Normalbetrieb” erreicht ist, in dem sich auch der tägliche User-Zuwachs halbwegs berechnen, das heißt skalieren lässt, dürfte der Einführung der Suchfunktion hoffentlich nichts mehr im Wege. Dass sie kommt, ist so sicher, wie das Amen in der Kirche. Schließlich ist Google ein Suchmaschinen-Unternehmen, oder?
Ordnung ist das halbe Leben…
Vermisst wird aber nicht nur die Suche: Wer von peniblem Gemüt ist, ärgert sich vermutlich über die mühselige Zusammenklauberei. Wer Ordnung in seine “Circles”, seine Kreise, bringen möchte, tut sich schwer. Je größer die Zahler der Follower, umso schwieriger. Was fehlt, ist ein übersichtliches, textorientiertes Tool, mit dem sich User schnell und leicht sortieren lassen.
Markennamen
Wie bereits im Juli von Gundotra angekündigt, könnten vermutlich noch dieses Jahr Profilseiten kommen. Das heißt: Unternehmen bekommen die Möglichkeit, eigene Seiten bei Google+ unter ihrem Firmennamen zu eröffnen.
Google Apps User
Ebenso steht noch die Integration Millionen Google Apps Nutzer aus. Das sind diejenigen, vor allem Unternehmen, die ihre Email-Konten und
ihre Textverarbeitung (Google Docs) bei dem Suchmaschinen-Unternehmen hosten. Im Moment können die zahlenden Apps-Nutzer noch kein Profil erstellen, und damit ein Google+ Konto eröffnen. Viele wählen deshalb den Umweg über einen normalen (kostenlosen) Gmail-Account. Problem: Hat man dort erst mal alles eingerichtet, Fotos hochgeladen, Kreise aufgebaut und sortiert, möchte man die Daten natürlich auch in den “regulären” Account mitnehmen. Die spannende Frage dürfte sein, ob Google später einen Transfer vom Gmail zum Apps-Account anbieten wird.
Android- und iPhone Apps
Mit Hochdruck wird offenbar auch an der Optimierung der Android- und iPhone Apps gearbeitet. Die Android-App ist hier der Apple-Plattform überlegen. Besonders der automatische Photo Upload macht im Moment noch den Unterschied sowie das problemlose hin- und herwechseln zwischen den einzelnen Circles.

Transparenz und Offenheit
Google geht auch neue Wege in Sachen Kommunikation: In den vergangenen Wochen haben immer wieder Teammitglieder über die einzelnen Neuerungen berichtet. Nicht Google+ Boss Gundotra war da vor der Kamera zu sehen, sondern die Entwickler selbst. Die mittlerweile etwas nervende Diskussion um Pseudonyme als Profil-Namen ging man offensiv an. Gundotra selbst begründete, weshalb man nur echte Namen toleriert.
Wie es weiter geht…
Sicher ist auch: Die Zeiten der großen Meilensteine, also der Tage an denen große Updates durchgeführt werden, sind längst vorbei. Google wird – wie in den vergangenen Wochen - immer wieder Änderungen und Detail-Verbesserungen an seinem System durchführen.
Wirklich sehr interessanter Artikel. Macht echt Spaß die Artikel von ihnen und Herrn Gutjahr zu verfolgen, nur die Überschrift ist nicht ganz richtig; es müsste in der 3. Person sein statt in der 1. :D
@Niklas Da hast Du absolut recht. Aber mein Lateinunterricht liegt schon so lange zurück, dass ich mich an dieser Stelle nicht blamieren wollte ;-)
Ich habe grade Latein 10. Klasse, allerdings mein Fall ist das auch nicht, aber iPhone App sei dank ist es nicht ganz so schwer.