Wer immer einen frischen, schnellen PC besitzen möchte, muss im Grunde alle zwei Jahre seinen Desktop-Computer auswechseln. Will man sich diesem Diktat nicht beugen, dem sei eine interessante Alternative empfohlen, die dem PC wieder neuen Schwung verleiht: Das Zauberwort heißt SSD – Solid State Drive.

Der Vorteil dieser Festplatte: Sie enthält keine Magnetscheiben, auf denen alle Daten gespeichert werden. Stattdessen lagern diese in einem Flash-Speicher. Und das macht die SSD verdammt schnell.
Schneller Start des Betriebssystems
Selbst ein zwei oder drei Jahre alter PC bootet innerhalb weniger Sekunden hoch. Der Start von Word dauert bei mir 2 Sekunden, Photoshop 64bit benötigt 3 Sekunden.* Der Datendurchsatz kann zwischen 250 MB/s bis zu 500 MB/s – je nach SATA-Schnittstelle – betragen. Deshalb sollte man die SSD vor allem dazu nutzen, sein Betriebsystem darauf zu installieren sowie große Programme von dort zu starten.
Allerdings: SSDs machen in Note- oder Netbooks weniger Sinn, weil dort für eine zweite, herkömmliche Festplatte, die man haben sollte, häufig kein Platz ist. Auch solltet Ihr Euch überlegen, ob Ihr Euren fünf oder sechs Jahre alten PC wirklich nochmals aufrüsten wollt…
Sicherheitsmaßnahmen
Und noch ein Nachteil des schnellen Flash-Speichers, auf den ich hinweisen muss: Wenn die SSD mal ausfällt, sind alle Daten futsch. Keine Chance auch nur den Hauch einer Partition, so wie bei der guten alten Festplatte, zu retten. Dennoch ist das Risiko des Datenverlustes gering, wenn man alles richtig macht – zum Beispiel, indem man regelmäßig Backups seines Rechners macht.

SSD sind mittlerweile halbwegs erschwinglich geworden, weil die Nachfrage steigt. Also ein guter Zeitpunkt, um einzusteigen. Eine SSD mit 120 GB, auf der man nur das Betriebsystem sowie die wichtigsten Programme, die besonders schnell starten sollen, installiert, reicht vollkommen aus.
SSD teurer als herkömmliche Festplatten
Allerdings muss für das Gerät deutlich mehr bezahlen als für eine herkömmliche Festplatte. Zwischen 150 und 250 Euro. Pro Gigabyte ist das ein Preis von 1,37 Euro, wenn man von einer SSD mit 120 GB Kapazität und einem Preis von 165 Euro ausgeht. Zum Vergleich: Das Gigabyte einer vergleichbaren "normalen" Festplatte kostet derzeit rund 0,20 Euro. Allerdings vergleichen wir hier Go-Carts mit Formel1-Rennwagen.

Wer jetzt denkt, er muss seinen PC für den Einbau der SSD zum Händler bringen, kann das natürlich tun. Keine Sorge, Ihr kriegt das aber auch alleine hin. Ihr müsst die 2,5 Zoll große SSD nur in einen Einbaurahmen für 3,5 Zoll Festplatten reinschrauben. Preis: € 5,99. Danach müsst Ihr vom Mainboard zur neuen Platte ein SATA-Kabel ziehen (siehe Bild oben) und am Ende noch ein Stromkabel, das vom Netzteil kommt, an der SSD klemmen. Fertig.
Schritt-Für-Schritt-Anleitung
Bevor Ihr mit der neuen Platte arbeiten könnt, müsst ihr noch an ein paar Einstellungen denken – sowohl im Betriebssystem als auch im Bios.
Vor der Installation des Betriebssystems müsst Ihr diese drei Punkte unbedingt beachten:
- Firmware (BIOS) des Mainboards aktualisieren
- AHCI Modus im BIOS für den S-ATA Controller aktivieren
- Windows 7 oder Ubuntu installieren (Kein Backup oder alte Images einspielen!)
Habt Ihr Windows 7 bzw. Ubuntu installiert, müsst Ihr jetzt nur noch ein paar Einstellungen am Betriebsystem vornehmen. Ziel: Die SSD soll möglichst schnell Daten ausliefern können und relativ wenig mit Schreibarbeit belästigt werden.
So stellt Ihr in Windows 7 die SSD optimal auf das Betriebssystem (Windows 7) ein:
- User-Daten verschieben
Unter C: wie “Eigene Dokumente”, “Bilder”, “Downloads”, “Desktop”, etc. bitte auf die “echte” Festplatte, vermutlich Laufwerk D: verschieben.
- “Windows Search” abschalten
–> Start –> Systemsteuerung –> Verwaltung –> Dienste –> Windows Search –> Rechte Maustaste –> Eigenschaften –> “Beenden” und “Starttyp” “deaktiviert” einstellen.
- Indexierung der SSD abschalten
Im Windows-Explorer –> Rechte Maustaste auf Platte C: (Unsere SSD) –> Eigenschaften –> und Checkbox ganz unten deaktivieren (Zulassen, dass für Dateien auf diesem Laufwerk…)
- Superfetch abschalten
Auf Windows Start –> Regedit starten –> HKEY_LOCAL_MACHINESYSTEMCurrentControlSetControl
Session ManagerMemory ManagementPrefetchParameters, Enable Superfetch auf “0” stellen.
- Prefetch ausschalten
Auf Windows Start –> Regedit starten –> HKEY_LOCAL_MACHINESYSTEMCurrentControlSetControl
Session ManagerMemory ManagementPrefetchParameters -> Enable Prefetcher auf “0” stellen.
- Defragmentierung abschalten
–> Start –> Systemsteuerung –> Verwaltung –> Dienste –> Defragmentierung –> Rechte Maustaste –> Eigenschaften –> “Beenden” und “Starttyp” “deaktiviert” einstellen.
- Energieoptionen für Festplatten abschalten
–> Start –> Systemsteuerung –> Energieoptionen –> Energiesparplanoptionen ändern –> Erweiterte Einstellungen
–> Festplatte ausschalten auf “0” Minuten stellen (Nie)
- Temp Dateien umleiten
–> Start –> Systemsteuerung –> System –> Erweiterte Systemeinstellungen –> Umgebungsvariablen –> Pfade “TEMP” und “temp” auf “normale Festplatte umleiten. (Bitte nicht vergessen, das Verzeichnis “temp” dann auch wirklich einzurichten
) Die Luxusversion wäre es übrigens, das Temp-Verzeichnis auf einer RAM Disk einzurichten…
- Auslagerungsdatei entfernen bzw. verlagern
–> Start –> Systemsteuerung –> System –> Erweiterte Systemeinstellungen –> Unter “Leistung” –> Einstellungen –>
Erweitert –> Ändern –> SSD Platte C: –> “Keine Auslagerungsdatei” einstellen.
Wenn Ihr all diese Einstellungen – okay, okay – es waren doch etliche, so vorgenommen habt, steht dem neuen Turbo-Antrieb Eures PCs nichts mehr im Wege.
* (Ich arbeite mit einer Athlon Dual Core CPU 5600 und 8 GB RAM)